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Die Praxisstufe der Schule
für Körperbehinderte besuchen nach Beendigung der eigentlichen Schulzeit
Schülerinnen und Schüler,
-
die aufgrund ihrer
Behinderung zu diesem Zeitpunkt noch keine Ausbildung machen können und ihre
Berufsschulpflicht an der Schule für Körperbehinderte absolvieren
-
die schwerstmehrfach
behindert sind und auf eine Eingliederung in Förder- und Betreuungsgruppen
vorbereitet werden.
Zur Zeit befinden sich die
Räume der Praxisstufe in einer Außenstelle der Schule, ca. zehn Gehminuten vom
Hauptgebäude entfernt.

Der Besuch der Praxisstufe dauert in der Regel drei Jahre
und dient der intensiven und sehr individuellen Vorbereitung der Schülerinnen
und Schüler auf die nachschulische Berufs- und Lebenssituation.
Die bereits in der Unter-, Mittel- und Oberstufe
angestrebten Ziele einer größtmöglichen Selbständigkeit und Selbstbestimmung
bleiben erhalten. In der Praxisstufe sind daneben der Aufbau einer
realistischen Selbsteinschätzung und eine Überprüfung eigener
Wunschvorstellungen bezüglich nachschulischer Arbeits- und Lebensperspektiven
besonders wichtig.
Ein sorgfältiges Beobachten
der Schülerinnen und Schüler im Schulalltag und der Austausch darüber im
Praxisstufen-Team ist eine unerlässliche Voraussetzung, um aktuell notwendige
individuelle, aber auch gruppenbezogene Förderbereiche bestimmen zu können.
Anregungen und Ideen erhält das Team durch den Austausch mit Kolleginnen und
Kollegen der Werk- und Praxisstufen anderer Schulen im Land. Seit über 10 Jahren
findet zweimal im Jahr ein zweitätiges Treffen der Landesarbeitsgemeinschaft
der Werk- und Praxisstufen in Baden- Württemberg statt. Diese Treffen dienen
dem Austausch und der konzeptionellen Weiterentwicklung.
Lebenspraktische Orientierung des Unterrichts
Der Unterricht wird durch den Leitgedanken „Soviel
Selbständigkeit wie möglich, aber auch soviel Inanspruchnahme von Hilfe wie
nötig“ geprägt. Dabei werden wichtige Aspekte und Voraussetzungen
des Lebens als
Erwachsener aufgegriffen.
Neben der Vorbereitung auf eine berufliche Eingliederung
durch vielfältige Praktika gehören dazu
Unterrichtsinhalte aus den Bereichen Kommunikation
und Konfliktfähigkeit, Aufbau sozialer Netzwerke, Verhalten in der
Öffentlichkeit, Gesundheit und Körperpflege, Sexualität und Partnerschaft,
Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung, Mobilität (öffentliche Verkehrsmittel
benützen), Wohnen, Einkaufen und Ernährung, Freizeitgestaltung. Die Umsetzung
dieser Inhalte wird im Rahmen von
Selbstversorgertagen erprobt, d.h. an mehreren aufeinander folgenden Tagen
organisieren die Schülerinnen und Schüler ihren Alltag so weit wie möglich
selbst.
Lesen, Schreiben und Rechnen und der
Umgang mit einem PC ist für eine Reihe von Schülerinnen und Schülern
unerlässlicher Unterrichtsinhalt . Diese Bereiche
sind in der Praxisstufe schwerpunktmäßig eingebunden in den Unterricht zur
Berufs- und Lebensvorbereitung. „Lesen Lernen“ kann dann heißen, die Fahrpläne
des öffentlichen Nahverkehrsystems lesen zu lernen oder „Rechnen lernen“
bedeutet, mit Taschengeld umgehen oder ein Konto führen zu können.
Eine Besonderheit ist eine Schülerarbeitsgruppe der drei
Stuttgarter Schulen für Geistigbehinderte und der Schule für Körperbehinderte.
Schülerinnen und Schüler dieser vier Schulen haben
in
der Arbeitsgruppe die
Möglichkeit, ihre Arbeitstugenden im Hinblick auf Nischenarbeitsplätze auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt an weitgehend realen
Arbeitsaufträgen zu erproben (Gartenarbeiten, Malerarbeiten).
Unterrichtsorganisation
Neben Klassenunterricht ist projektartiger Unterricht ein
fester Bestandteil im Stundenplan der Praxisstufe. Der Unterricht in den
Projekten (Körperpflege & Gesundheit, Einkaufen & Kochen, ...) und in den
Fächern Sport, Schwimmen und Musik ist klassenübergreifend. In diesen Stunden
werden die Klassenverbände aufgelöst und schwerst mehrfachbehinderte
Schülerinnen und Schüler werden mit Schülerinnen und Schülern der anderen
Klassen gemeinsam unterrichtet.
Diese Form
der innerschulischen Kooperation ermöglicht den Jugendlichen vielfältige
Begegnungen und gemeinsam Erfahrungen zu machen.

Zusammenarbeit mit Partnern
Im Übergangsbereich von der
schulischen in die nachschulische Zeit ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit
und das Einbeziehen aller an diesem Prozess Beteiligten notwendig. Zwischen den
Schülerinnen und Schülern, deren Eltern, allen pädagogischen Kräften, der
Schulleitung, Berufsberatung, den nachschulischen Institutionen in Bezug auf
Arbeiten, Wohnen und Freizeit und den Kostenträgern findet eine enge Kooperation
und ein intensiver Austausch bei allen Überlegungen zu nachschulischen
Perspektiven statt.
Regelmäßige Informationsveranstaltungen für Eltern und
Schülerinnen und Schüler
sind ein weiterer Baustein für einen gut vorbereiteten
Übergang vom schulischen in den nachschulischen Lebensabschnitt.

© Praxisstufenteam 2004 |